Ein nachhaltiges internetgestütztes Bewegungsförderungsprogramm im als Reha-Nachsorge für Personen mit Multipler Sklerose

Schlagwörter: Motivation, Selbstbestimmungstheorie, Gesundheitskompetenz, Motivierende Gesprächsführung

Hintergrund

Körperliches Training ist ein vielversprechender non-pharmakologischer Ansatz zur Verbesserung der Fatigue von Personen mit Multipler Sklerose (PmMS). Die bisherige Studienlage belegt die vielfältigen positiven Wirkungen von sportlicher Aktivität auf die körperliche Fitness wie Muskelkraft, Ausdauer sowie Aspekte der MS-Symptomatik (z.B. Gehfähigkeit). Die Studienlage hinsichtlich der Wirkungen von Sport auf Fatigue ist jedoch inkonsistent. Erklärungen hierfür sind, dass Fatigue bisher überwiegend als sekundäres Outcome erhoben wurde, die Stichproben häufig keine Fatigue aufwiesen und die unterschiedlich eingesetzten Messinstrumente.

Trotz der vielfältigen positiven Wirkungen körperlicher Aktivität auf die Gesundheit ist ein Großteil der PmMS überwiegend inaktiv. Insbesondere gelingt es nur wenigen PmMS im Anschluss an eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme, die in der Bewegungstherapie erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten für einen eigenverantwortlichen aktiven Lebensstil in den Alltag zu transferieren. Dies ist jedoch eine notwendige Voraussetzung, um langfristig von den positiven Wirkungen der körperlichen Aktivität zu profitieren. Internetbasierte Interventionen können in diesem Zusammenhang geeignet sein, um Bewegung zu fördern und die Nachhaltigkeit der stationären Rehabilitation zu gewährleisten. Derartige Programme existieren bisher jedoch nicht.

Ziel der Studie

Diese randomisiert, kontrollierte Studie (RCT) untersuchte das Konzept einer dreimonatigen internetbasierten Intervention im Anschluss an eine stationäre MS-spezifische Rehabilitation zur Verbesserung der Fatigue und zur Förderung der körperlichen Aktivität von PmMS.

Methodik

Das Programm richtet sich an erwachsene PmMS (≥ 18 Jahre (nach McDonald Kriterien von 2010) unabhängig von der Verlaufsform, die eine stationäre Rehabilitation wahrnehmen und Interesse an einer Nachsorgemaßnahme haben. Wichtige Voraussetzungen sind die schriftliche und freiwillige Teilnahme, der Zugang zu einem internetfähigen PC und grundlegende Computer- und Internetkenntnisse. Es können sowohl Personen teilnehmen, die eine klinisch-relevante Fatigue-Symptomatik aufweisen bzw. intermittierend oder konstant eine Gehhilfe (z.B. Gehstützen, Stock, Schiene) benötigen. Nicht geeignet ist das Programm in der vorliegenden Form für Personen mit starken Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit bzw. einem hohen Behinderungsgrad (EDSS, Expanded Disability Status Scale ≥ 7,0, d.h. eingeschränkte Gehfähigkeit auf maximal 5 m).

Die internetbasierte Intervention ist als Nachsorgemaßnahme konzipiert und schließt sich an eine MS-spezifische stationäre Rehabilitationsmaßnahme an. Die stationäre Rehabilitation dauert zwischen drei bis fünf Wochen und umfasst ein individuelles, störungsspezifisches Rehabilitationsprogramm. Im Rahmen der klinischen Studie, in dem die Intervention entwickelt worden ist, hat die stationäre Rehabilitation ausschließlich im Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof in Bad Wildbad stattgefunden. Die Klinik ist ein „Anerkanntes MS Rehabilitationszentrum“ nach den Kriterien der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (DMSG).

Teilnehmer wurden zufällig auf die Interventionsgruppe oder die Kontrollgruppe aufgeteilt. Das dreimonatige heimbasierte Trainingsprogramm wird über eine web-basierte Applikation (https://e-training.ms-intakt.de/) kommuniziert und kann an die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Teilnehmer individuell adaptiert werden. Das Protokoll setzt einen Schwerpunkt auf ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, beinhaltet ergänzend Gleichgewichtsübungen. Aufbauend auf dem Modell der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz und der Selbstbestimmungstheorie zielt die Intervention auf die Steigerung der motivationalen und volitionalen Voraussetzungen sowie auf die für einen eigenständigen und regelmäßigen aktiven Lebensstil notwendigen Kompetenzen ab. Es beinhaltet mehrere Techniken der Verhaltensänderung und integriert das Konzept der motivierenden Gesprächsführung.

Ergebnisse

Diese Beschreibung können Sie sich als Poster herunterladen Im Moment werden die Daten dieser Studie ausgewertet. Die ersten Ergebnisse können Sie dem ECTRIMS-Poster entnehmen.

Mit dem vorgestellten Programm steht ein internetbasiertes Versorgungsangebot mit professioneller therapeutischer Unterstützung zur Verfügung, welches PmMS beim Aufbau eines körperlich aktiven Lebensstils unterstützen kann. Dieses Konzept ist auch auf andere Personen mit chronischen Erkrankungen adaptierbar.

Projektlaufzeit: 2015 – 2017
Projektleiter: Prof. Dr. Klaus Pfeifer
Projektmitarbeiter: René Streber, Dr. Alexander Tallner
Kooperationspartner: Prof. Dr. med. Peter Flachenecker (Facharzt für Neurologie), Chefarzt des Neurologischen Rehabilitationszentrums Quellenhof GmbH mit Mitarbeiter Klaus Gusowski und Ann-Christin Weiland
Auftraggeber:

 

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Erste Ergebnisse

Abstract RIMS-Kongress